Es grünt so bunt

Es grünt so bunt

Man sagt ja: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Und in Hamburg braucht es mindestens ein halbes Dorf, um zwei Beete zu bepflanzen. Zumindest, wenn es sich um so genannte „Straßenbegleitgrünflächen“ handelt. Die gehören nämlich der Stadt, die also auch dafür zuständig ist. Nun waren aber die betroffenen Flächen links und rechts vom Zebrastreifen sowie vor der Dorftanne in letzter Zeit alles andere als grün. Und schön anzusehen schon gar nicht. Doch das hat sich geändert, denn in einer Gemeinschaftaktion mit einigen Geschäftsleuten vor Ort hat der Heimatverein Klein Borstel offiziell die Patenschaft für die Beete übernommen. Manfred Thiele übernahm als 1. Vorsitzender des Heimatvereins die gepflegte Konversation mit dem Bezirksamt und bekam letztlich das OK. Vincent Menken klärte alles Weitere mit dem Baumkontrolleur und organisierte die Bepflanzung. Ein frischer Rollrasen wurde – als Spende von der Gartenbaufirma R.G. Winkler – verlegt und Carsten Fellmann setzte rund 1000 Begonien ein. Und weil das Ganze auch ein bisschen was kostet, darf sich Klein Borstel bei großzügigen Spendern bedanken: Die Erstfinanzierung haben Menken+Schlief und Mein Friseur Meinecke sowie ein privater Spender übernommen – die laufende Pflege und spätere Neupflanzungen zahlt der Heimatverein.

Jugendfeuerwehr sucht Nachwuchs

Jugendfeuerwehr sucht Nachwuchs

In Hamburg gibt es 86 Freiwillige Feuerwehren (FF). Deren ehrenamtlichen Mitglieder fahren täglich mit Blaulicht und Martinshorn durch die Stadt, um zu helfen. In der Nachbarschaft zu Klein Borstel sorgt die FF Wellingsbüttel für Schutz und Sicherheit und verfügt darüber hinaus über eine Jugendfeuerwehr. Hier wird Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren regelmäßig ein abwechslungsreiches Angebot aus Ausbildung, Spiel und Spaß geboten, um erste Berührungspunkte mit der Feuerwehr zu ermöglichen. Wer also bereits in jungen Jahren schon den Feuerwehrmann oder die Feuerwehrfrau in sich spürt, hat in der Jugendfeuerwehr die Möglichkeit, sich in dieser Funktion ausleben zu können. Nicht nur in Hamburg, sondern deutschlandweit haben viele gestandene Feuerwehrleute ihre ersten Erfahrungen in Jugendfeuerwehren gesammelt und bereits dort wichtige Grundlagen für spätere Einsatzlagen gesammelt. Neben dem Ausbildungsangebot lernen die Kinder und Jugendlichen der Jugendfeuerwehr die Einzigartigkeit einer engen Kameradschaft kennen, die von den Mitgliedern der Wehren auch im privaten Bereich Anwendung findet. Gemeinsame Übungen, Zeltlager, Nachtwanderungen und sportliche Wettbewerbe sind hierfür die wichtigste Grundlage. Kurzum: Wer schon immer mal in einem echten Feuerwehrauto mitfahren wollte und nebenbei noch auf der Suche nach Gleichaltrigen ist, die dieses Interesse teilen, findet in der Jugendfeuerwehr das ideale Hobby. Ein Hobby mit Verantwortung. Interesse? Die Jugendfeuerwehr Wellingsbüttel trifft sich immer mittwochs um 18 Uhr. Eine erste Teilnahme an den Treffen ist absolut unverbindlich. Gebeten wird aber vorab um Kontaktaufnahme mit dem Jugendfeuerwehrwart Tim Heisler per Mail ant.heisler@ff-wellingsbuettel.de oder telefonisch unter: 0151 – 511 68 508. 
Moritz Tröster

Fotos: Jugendfeuerwehr Wellingsbüttel

Den Ärmsten eine Zuflucht geben

Den Ärmsten eine Zuflucht geben

Die Albert-Schweitzer-Schule in Klein Borstel unterstützt seit einigen Jahren das Projekt „Vulamasango“. Es bedeutet: Offene Tore. Wie einst Albert Schweitzer zog es auch den Gründer dieses Projekts, Florian Krämer, auf den afrikanischen Kontinent. Nach mehreren langen Reisen quer durch Afrika beschloss er, ein Zeichen gegen Armut und Gewalt zu setzen und im südafrikanischen Kapstadt ein Waisenhaus sowie einen Ort der Sicherheit und Zuflucht mit offenen Toren zu gründen – für Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Townships.

Vulingoma ist ein Ausdruck aus der Sprache der Bewohner Kapstadts und bedeutet „ein neues Lied anstimmen“. Genau dies ist es, was die Jugendlichen aus dem Entwicklungsprojekt Vulamasango tun. Sie singen im Jugendchor mit dem Namen „Vulingoma“. Und dieser war jetzt im Rahmen seiner Europa-Tournee auch wieder in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule zu Gast. Sie gaben ein Konzert der ganz besonderen Art, geprägt von tiefsten Emotionen, Freude, Hoffnung, Unterhaltung und einem sehr  persönlichen Bezug zu den Schicksalen der jungen Darsteller auf der Bühne. Geleitet von Lusanda Bali, Akhona (Pinky) Stuurman und Florian Krämer, treten Jugendliche aus dem Projekt seit 2006 alle zwei Jahre europaweit auf. Anhaltende Ovationen und gerührte Zuschauer sind an der Tagesordnung. Mit ihrer Bühnendarstellung singen, tanzen und trommeln sich die Kinder von Vulingoma mit Gospelsongs, Apartheidsliedern, alten afrikanischen Volksliedern und modernem, afrikanischem Pop in die Herzen der Menschen. Da die Kinder meist schwere Schicksale hinter sich haben, ist es umso erstaunlicher, mit welcher Kraft und Energie sie auf der Bühne stehen, um durch Musik und Tanz beinahe therapeutische Arbeit an sich selbst zu leisten und zu beweisen, dass auch die schlimmsten Erlebnisse überwältigt und in etwas Positives verwandelt werden können. Verarmt, verwaist, missbraucht, und vernachlässigt, kämpfen sie für eine gerechtere Welt in der sie geliebt und geschätzt werden, in der sie als stolze und würdevolle Menschen aufwachsen, in der sie Bildung erhalten und einer hoffnungsvolleren Zukunft entgegen blicken dürfen. Das Projekt Vulamasango gibt ihnen wieder diese Hoffnung und einen Ort der Zuflucht. Zwischendurch berichtet Florian Krämer in einem eindrücklichen Lichtbildvortrag von den durch Aids und Kriminalität geprägten Schicksalen der Kinder, von seinem jahrelangen Kampf gegen Südafrikas katastrophale Bildungs- und Aidspolitik und von der hoffnungsvollen Arbeit in seinem Projekt. Ziel ist es, ein Zuhause für 100 bedürftigte junge Menschen zu schaffen, die dort in familienähnlichen Strukturen leben oder täglich den Kinderhort besuchen können. Die Kinder, die den Hort und den Kindergarten besuchen, sind meist Halb- oder Vollwaisen, haben aber noch eine Unterkunft bei ihren Müttern, Verwandten oder Nachbarn. Oft kommen sie aber aus sozial schwierigen Verhältnissen und sind Dingen wie Armut, Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigungen ausgesetzt. Der Hort bietet ihnen nicht nur Sicherheit vor den Gefahren der Townships, sondern auch Bildung, Hausaufgabenbetreuung, Lesegruppen, Sport und Akrobatik. In Zusammenarbeit mit regionalen Künstlern gibt es Workshops in den Bereichen bildende Künste, Musik, Tanz und Theater. Zusätzlich erhalten die Jugendlichen Aufklärung zu Themen wie Aids, Sexualität, Frauenrechte, kultureller Identität und ein therapeutisches Angebot, um ihre oft tiefgreifenden Traumata zu verarbeiten. Ins Waisenhaus aufgenommen werden Kinder im Alter zwischen 0 bis 16 Jahren,unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe,Religionszugehörigkeit oder ethnischer Herkunft. Die Kinder leben in Gruppen von maximal zehn Kindern in Hausgemeinschaften mit je zwei Hauseltern zusammen. In dieser Gemeinschaft wird der Tagesablauf nach dem Prinzip einer Familie gemeinsam gestaltet. Parallel wird dafür gesorgt, dass die Kinder eine Schulausbildung erhalten. Nach dem Schulabschluss soll den Kindern eine Berufsorientierung in Form von Ausbildungs- und Praktikumsplätzen vermittelt werden, so dass  eine Integration in eine eigenverantwortliche Lebensgestaltung ermöglicht wird. Dazu zählen externe Ausbildungsplätze oder ein Studium wie auch projektintern im Rahmen der Farmwirtschaft sowie in sozialen- und pädagogischen Bereichen: Schreinerwerkstatt, Landwirtschaft, sozialer Bereich, Computer- und IT). Viele der politischen und sozialen Veränderungen im neuen, demokratischen Südafrika sind äußerst positiv und haben es zu einem Land gemacht, welches weltweit für seine multikulturelle und dynamische Gesellschaft und die Fähigkeit, seine schwere Vergangenheit auf positive Weise zu bewältigen, bewundert und anerkannt wird. Zeitgleich entwickelt sich aber auch eine Krise enormen Ausmaßes: Die Zahl derer, die mit der Aids-Epidemie in Berührung kommen oder ihr zum Opfer fallen, wächst beständig. Die Folgen der Krise haben jedoch nicht nur Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft, sondern führen zu einer menschlichen Tragödie für hunderttausende von Kindern, die durch Armut, Krankheit oder Aids oft sehr jung verwaist sind und sich selbst überlassen werden. Sie sind Teil einer Generation, welche ohne das gesellschaftliche und kulturelle Erbe ihrer Eltern aufwächst. Das Projekt Vulamasango wird getragen vom Verein Positiv Leben e.V., der 2003 von Florian Krämer ins Leben gerufen wurde. Wer helfen möchte, kann dies mit Spenden auf das Konto: Positiv Leben e.V. bei der GLS Bank IBAN: DE94430609677031290700. Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, kann sich im Internet unter www.vulamasango.org schlau machen.

Text: Eva Drechsler-Györkös. Fotos: Vulamasango, Eva Drechsler-Györkös, Ilka Mamero

Neueröffnung „Hauptsache meins“ – Café & more

Neueröffnung „Hauptsache meins“ – Café & more

(PR) An der Wellingsbütteler Landstraße 43 – direkt am U-Bahnhof Klein Borstel – verkündeten bunte Luftballons das freudige Ereignis: Der Stadtteil hat Zuwachs bekommen – ein neues Geschäft, das sich auf neugierige Kunden freut. Der ungewöhnliche Name fällt zunächst ins Auge, aber, wenn man „Hauptsache meins“ betritt, dann wird schnell klar, was sich die Betreiber damit gedacht haben. Das Sortiment des Geschäftes ist breitgefächert, auf schöne und genussvolle Dinge ausgerichtet, und irgendwie möchte man alles einfach gerne haben. Das gilt für die kleinen und größeren Einrichtungs- und Dekoideen, für die Taschen und Accessoires, aber genauso für die Öle, Liköre, Weine und andere Genussartikel. Das meiste kommt aus kleinen Manufakturen in Skandinavien, Holland oder Süddeutschland. Alles Ess- und Trinkbare liefern zumeist regionale Hersteller aus dem Umland oder ausgewählte Produzenten in Italien und Frankreich. Mit der Eröffnung ihres charmanten Bistro & Geschäfts „Hauptsache meins“ haben sich die beiden Inhaber Marcus Fleischhauer und Stephan Daniel einen langehegten Traum erfüllt. Seit knapp 40 Jahren sind die beiden befreundet und hatten schon lange vor, ein gemeinsames Projekt anzugehen. Unterstützt werden sie dabei von der Klein Borstelerin Mai Mittelmann, die in allen Bereichen den weiblichen „touch“ reinbringt. Neben den nicht alltäglichen Angeboten aus Interieur, Genuss, Design und Lifestyle, kann man hier in einem Bistrobereich mit insgesamt 30 Plätzen auch kleine Snacks genießen, die auch eher ungewöhnlich daherkommen. Da gibt es Burger wie den „Gonzo“, der mit Gorgonzola, Preiselbeeren, Walnüssen und einer Dijonnaise serviert wird oder den „Peanut“, eine Kreation mit Rindfleisch, Bacon und Erdnusssauce. Auf Vegetarier wartet das „Veggie“: ein Baguette mit Mozzarella, Zucchini, Aubergine, Ajvar und Rucola. Für den kleinen Hunger bieten sich die Süßkartoffel-Pommes oder Kartoffelpuffer mit Lachs an. Auch bei den Getränken dürfen sich Geschmacksknospen gerne weltoffen zeigen: Nordseebrause, die Hoppe, Basil-Limo und Ingwer-Shots warten auf durstige Kehlen – es gibt aber auch Gängiges wie Bier, Radler und Wasser.
Die Öffnungszeiten
sind aktuell Montag bis Freitag von 8 bis 18.30 Uhr, am Samstag
und am Sonntag von 14 bis 18 Uhr.
Mittelfristig sollen auch Öffnungszeiten für den Abend oder Events wie „after work“ ins Angebot kommen.
Das kleine Separee mit seinen 16 Plätzen kann schon jetzt auch abends für Veranstaltungen gebucht werden.
„Tolle Geschichten“ feierte 5-jähriges Jubiläum

„Tolle Geschichten“ feierte 5-jähriges Jubiläum

Da war aber was los. Am 24. März feierte die Buchhandlung „Tolle Geschichten“ am Tornberg ihren fünften Geburtstag. Britta Maschek und ihr Team hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und mit Kaffee und Kuchen, Gewinnspiel und schönen Überraschungen zu diesem Fest eingeladen. Da staunten die Kinderaugen nicht schlecht, als die Bilderbuch-Figur „Tafiti“ plötzlich durch die Straße lief und Süßigkeiten verschenkte. Außerdem gab es ein Glücksrad mit vielen kleinen und großen Gewinnen. Trotz der noch nicht frühlingshaften Temperaturen saß Klein Borstel so bei heißen Getränken und Kuchen auf einen Klönschnack vor dem Laden und freute sich über die Bereicherung, eine kleine tolle Buchhandlung in der Nähe zu haben. Und wem es draußen zu kühl wurde, der stöberte in dem kleinen Lädchen nach neuem Lesefutter oder einem Geschenk. „Das war ein wunderschöner Tag – wir freuen uns schon auf die nächsten fünf Jahre“, betonte Britta Maschek und ergänzte: „Es war wirklich toll, wir haben über 100 Kaffee ausgeschenkt, es waren bestimmt insgesamt 150 Kunden da und es wurden sieben Kuchen verputzt. Das Backen hat sich gelohnt.
Monday Oldies rockten das Gemeindehaus

Monday Oldies rockten das Gemeindehaus

Musikalische Evergreens und gute Laune das bieten die Monday Oldies. Es mussten sogar noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden, um allen Besuchern einen Sitzplatz zu bieten. Gleich beim ersten Titel „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ kochte die Stimmung hoch. Es wurde mitgesungen und mitgeklatscht. Die Begeisterung der Besucher schwappte auf die Bühne und kam von dort mit großer Spielfreude zurück. Jubel als sich Uwe Geertz einen schwarzen Mongolenbart anklebte und die Band „Dschingis Khan“ zum Besten gab. Ein bunter Strauß von Songs folgte, u.a. mit dem „Itsy Bitsy Teenie Weenie“ von 1960 – damals mit Catarina Valente und Silvio Francesco. In der Pause herrschte großer Andrang an Bar und Würstchenstand. Die fleißigen Helfer des Heimatvereins hatten alle Hände voll zu tun, die hungrigen Mägen mit Würstchen und die durstigen Kehlen mit kühlen Getränken zu
versorgen. Überall hatten sich Gesprächsgruppen gefunden, standen Nachbarn und Freunde zusammen, die sich viel zu erzählen hatten. Die Monday Oldies, zwischenzeitlich wieder auf der Bühne, mussten lautstark den Fortgang des Konzerte ankündigen, so sehr waren die Besucher am Kommunizieren. Dann ging es mit Volldampf weiter. „Rip it up“ und „Rock around the Clock“ – Oldies, die auch in der zweiten Halbzeit für Begeisterung sorgten. Zum Ausklang gab es dann „Beinhart“ von Torfrock, noch einmal ein Song so richtig zum mitmachen, und dann wurden die Besucher – alle in bester Laune – mit „Country Roads“ auf die nachtdunklen Straßen von Klein Borstel heimgeschickt. Fazit: Noch nie war der Saal bei einem Konzert der Oldies so gerappelt voll! Nächstes Jahr im Februar geht es wieder los. Bitte rechtzeitig Karten kaufen.
Beitrag von Horst Friedrichs
Theaterspaß auf Krankenschein

Theaterspaß auf Krankenschein

Das war sie nun für dieses Jahr – die Saison der Speeldeel, der plattdeutschen Theatergruppe des Heimatvereins. Der geneigte Theaterbesucher erfuhr, was es mit „Willem sien Willen“ auf sich hatte. Die Szenerie: das Wartezimmer einer Landarztpraxis. Die Protagonisten: Der neue Arzt, seine Schwester, die Haushälterin und allerlei Dorfbewohner mit diversen Wehwehchen. Ungeplant war allerdings, dass sich eine der Schauspielerinnen fast als echte Patientin zur Sprechstunde angemeldet hätte.

Es war Freitagabend zur besten Theaterzeit – kurz vor halb Acht. Die Premierengäste hatten sich versammelt, rund ums Gemeindehaus Klein Borstel herrschte von Frühsommerwetter untermalte Vorfreude. Regisseur Manfred Thiele schlenderte mit der bekannt charmanten Nervosität durch die Reihen und begrüßte die Besucher. Was keiner ahnte, war, dass sich hinter dem Vorhang derweil ein kleines Drama abspielte. Friseurmeisterin Peggy Meinecke hatte in der Garderobe im ersten Stock bei allen schon für das passende Make-up und schicke Frisuren gesorgt. Das Schauspielvolk hatte sich umgezogen, machte sich bereit – in die eigene, individuelle Vorbereitung versunken. Auf einmal ein Rumms, ein Poltern, ein Wimmern. Barbara Hamann – in der Rolle der liebenswert-schrulligen Meta Klanke die Idealbesetzung – war auf einem Textbuch ausgerutscht und quasi mit Anlauf die Treppe runtergerauscht. Da lag sie nun wie ein verdrehtes Fragezeichen, hielt sich den Kopf und versuchte sich zu erinnern, wie sie heißt und wo sie sich befindet. Im Zuschauerraum hatten die Gäste bereits ihre Plätze eingenommen und wurden um einige Minuten Geduld gebeten.
Ein echter Arzt war dann gottlob doch nicht nötig – Barbara Hamann biss auf die Zähne und sammelte sich. Und auch die Schauspielkollegen verdauten diesen kleinen Schock, sodass einem erfolgreichen Bühnenspiel nichts mehr im Weg stand. Der Vorhang öffnete sich und gab den Blick frei auf eine – von René Lüben, Heiko Gloe und ihrem Team – wieder mit viel Liebe zum Detail gestaltete Bühne. Im Hintergrund ein Fenster, das den Blick freigab auf eine dörfliche Idylle. Doch dazu später noch mehr.
Gleich zu Beginn hatte Margit Lüben alias Haushälterin Anna Michels einen echten Mammut-Monolog zu bewältigen. Sie führte die Zuschauer ein in die Geschichte um das Erbe von Landarzt Willem, das seinen Neffen Dr.Jan Vahlefeldt (Sven Mamero) ins verschlafene Wümmstorf führt. Er hat die dortige Praxis seines verstorbenen Onkels dann aber doch sehr viel später geerbt, als das geplant war, und entsprechend knurrig tritt der neue Doc seine Arbeit dort an. Im Gepäck hat er seine Schwester Lisa (Birgit Vollstädt), die ihm als gelernte Krankenschwester zur Hand gehen soll. Bestandteil der geerbten Praxis ist auch die schon erwähnte Haushälterin Anna (Margit Lüben), die als rechte Hand des Verstorbenen alles und jeden genau kennt und stets mit Rat und Tat bereit steht – auch wenn dies gar nicht gewünscht ist. Und dann sind da natürlich noch ein Haufen Patienten, die meist mit eher eingebildeten Beschwerden im Wartezimmer nach Abwechslung und Klönschnack suchen. So gehört es für Meta (Barbara Hamann) und Theo (Norbert Bendfeldt) zum liebgewordenen Alltag, täglich dort die neusten Zeitungsmeldungen zu studieren. Die Titelseiten der „Wümme-Zeitung“, die zum Einsatz kommen, sind übrigens echte Originale, vom dortigen Verlag netterweise zugeschickt.
Die Witwe Mine Klasen (Petra Gangel) verspricht sich zwischen Wartezimmer und Untersuchungsraum eine neue, interessante Männerbekanntschaft. Während Gretchen (Jule Czupras) und Hannes (Frank Gajek) die Praxis eher als Zufluchtsort für ihre von Onkel Willy (Jürgen Lück) unverstandene Liebe aufsuchen. Der Einzige, der tatsächlich medizinische Hilfe benötigt, ist Jochen Petersen (Frank Bode). Der Reitstallbesitzer ist von seinem übermütigen Gaul „Romeo“ gefallen und bringt es sogar ohnmächtig fertig, das Herz von Lisa im Sturm zu erobern.
Letztlich kommt es, wie es in einem plattdeutschen Theaterstück einfach kommen muss. Nach allerlei Diskussion, Verwirrung und Geplänkel wendet sich am Ende alles zum Guten. Der neue Landarzt schließt Frieden mit seinem beruflichen Schicksal, Lisa bekommt Jochen, Gretchen den Hannes und ein Kind, Onkel Willy eine Lektion in Sachen Nächstenliebe und Meta und Theo eine sinnvolle Lebensaufgabe. Nur die Witwe Mine steht auch am Schluss noch ohne neuen Gatten da – aber dafür hat sie mit Abstand die schicksten Kleider an.

Das Stück „Willem sein Willen“ von Ina Nicolai ist keins, in dem alle drei Minuten ein Schenkelklopfer wartet. Umso schwieriger war es für die Darsteller der Speeldeel mit ihren Worten und Gesten die Komik zu schüren und für Lacher zu sorgen. Diese bekamen sie auch, denn lustig ist die Geschichte allemal. Außerdem ist es immer wieder ein Vergnügen, das Speeldeel-Stück zu sehen, das stets mit viel Liebe und Leidenschaft erarbeitet wird. Monate der Proben, des Textlernens, wechselnder Regieanweisungen – alles mit Höhen und Tiefen – liegen hinter dem Team. Dazu Wochen des Organisierens von Bühnenequipment und -garderobe, des Aufbaus von Bühne und Saal. Allein dafür gebührt allen viel Respekt und Applaus.

Willem sien Willen

Die Theatergruppe des Heimatvereins Klein Borstel spielt in dieser Saison ein Stück von Ina Nicolai in plattdütscher Mundart:

Willems letzter Wille war, dass sein Neffe Dr. Jan Vahlefeldt mal seine Landarztpraxis übernimmt. Nun können Jan und seine Schwester Lisa gar nichts anfangen mit dieser eigenwilligen Mentalität ihrer neuen Patienten, sind sie doch das Leben in der Stadt gewohnt. Aber all die wunderbaren Dorforiginale, Willems altes „Faktotum“ Anna Michels und natürlich die Liebe sorgen dafür, dass in dieser sehr gefühlvollen, sehr menschlichen und sehr amüsanten Geschichte auch aus dem arroganten Städter ein richtiges ländliches Schlitzohr.

 

 

12,- € Eintritt
10,- € ermäßigt für Mitglieder HV
6,- € Kinder bis 12 Jahre

Kartenvorverkauf
Tolle Geschichten, Tornberg 32
Geschäftsstelle des HV, Stübeheide 166

Kartenvorbestellung
Abholung an der Abendkasse
Tel. 040 – 23 54 61 70 oder
karten@hvkleinborstel.de

Vorstellungen:
Sonntag,    15. April 2018   16.00 Uhr
Freitag,      20. April 2018   19.30 Uhr
Samstag,   21. April 2018   19.00 Uhr

Neuigkeiten?

Gibt es Neues zu berichten, dann schicken Sie uns doch einfach eine kurze Nachricht.