Liebe Mitglieder des Heimatverein Klein Borstel e. V.! Ich gehe heute zurück mit Ihnen ins Jahr 1988 und erzähle Ihnen eine Geschichte. Meine Geschichte. Zehn Jahre war ich im vorgenannten Jahr außerhalb von Klein Borstel unterwegs. Auch, wenn ich auswärts wohnte, habe ich nie meine Herkunft vergessen und war regelmäßig in unserem Dorf, immerhin bin ich geborener Klein Borsteler. Besonders zu den Aufführungen der Speeldeel besuchte ich unser Dorf und den damaligen Vorsitzenden Willi Behrens. Zumal ich auch beabsichtigte, wieder zurück zu kommen. Im genannten Jahr erzählte er mir dann von seiner schweren Krankheit und, dass er nicht mehr als 1. Vorsitzender zur Verfügung stehen könnte. Ob ich nicht Lust dazu hätte, seinen Posten zu übernehmen, fragte er mich, denn die Vorstandsarbeit hätte ich ja schon in meinen vier Jahren als „Jung-Zwanziger“, kennengelernt. Na ja, ich wohnte zwar noch nicht wieder hier, aber vorstellen konnte ich mir das schon. Damals war ich dann „End-Dreißiger“. Und so kam es, dass ich am 19. Februar 1989, mit holden 38 Jahren, den Verein mit rund 400 Mitgliedern als 1. Vorsitzender übernahm. Willi hat mich dann noch gut zwei Jahre im Amt begleitet, bevor er verstarb.

Zeitsprung. Am 19. Februar 2019 – der Verein hat nun inzwischen 800 Mitglieder – sind wieder Wahlen, dieses Mal ist routinemäßig auch der 1. Vorsitzende – wie immer für zwei Jahre – neu zu wählen. In Zahlen für mich: 15 Wahlen, 30 Jahre als „Präsi“. Mit meinen vier Jahren im Vorstand als junger Mann, ergeben sich daraus rückblickend 34 Jahre Vorstandsarbeit, mein halbes Leben. Zudem 50 Jahre in der Speeldeel. Viel Ehrenamt, viel Freizeit, viel Freude an zwei wundervolle Aufgaben, die mich mein Leben lang begleitet haben.

Aber, wie heißt es doch so schön: Alles hat seine Zeit. So sehe ich das auch. Ich bin so ziemlich gesund und möchte es lange bleiben. Aber meine Kräfte, wie vor 50 bzw. vor 30 Jahren sind einfach nicht mehr da. Zudem ändern sich die Zeiten, die Gesellschaft, die Meinungen und Ansichten. Dabei merke ich, dass mir Neues immer schwerer fällt. Daher habe ich mich entschlossen, auf der nächsten Jahreshauptversammmlung nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stehen. Das ist schon ein komisches Gefühl, aber mein Verstand sagt mir, dass dies richtig ist und er sagt: „Lass das mal die Jüngeren machen“. Angekündigt habe ich das ja auch schon seit Längerem, aber nun wird es wahr.

Liebe Mitglieder, liebe Nichtmitglieder, es war schön ihr „Bürgermeister“ zu sein. Wir haben gemeinsam viel mit- und durchgemacht. Wir haben den Postprotest erlebt und gewonnen, den Kleingartenverein erhalten können, das Neubaugebiet sozial verträglich wachsen sehen, ein Flüchtlingsdorf von Ex-Jugoslawen Anfang der Neunziger begleitet, ein neues Flüchtlingsdorf bekommen, das fast viermal so viel Migranten aufgenommen hat wie damals. Und wir waren immer entschlossen, den Menschen zu helfen. Wie es der Mentalität unseres Dorfes und dem Leitspruch unserer Heimatstadt entspricht: Die Tore zur Welt stehen allen Menschen offen. Ich danke Ihnen, auch den Nichtmitgliedern, dass wir so viele Jahre gemeinsam dem Anspruch unserer Satzung gerecht werden konnten: Stets zum Wohle von Klein Borstel zu agieren. Unserer Heimat.

Eigentlich hatte der Vorstand stets eine gute Nachfolgeregelung für ein ausscheidendes Vorstandsmitglied auf der Jahreshauptversammlung „im Gepäck“. Dieses Mal wird es anders sein, denn trotz aller Bemühungen, Dutzenden von Gesprächen und vielen Anfragen bei möglichen Kandidaten, ist es uns nicht gelungen, Ihnen einen möglichen Nachfolger zu präsentieren. Wenn Sie, liebes Mitglied, sich nun sagen, das könnte ICH mir vorstellen, rufen Sie mich gern an, Telefon 536 51 04 (ggf. AB). Ich kann Ihnen gern mehr von der Aufgabe als Erster Vorsitzender erzählen.

Herzlichst

Ihr

Manfred Thiele